Egidius und die Gewalt der Musik (2001) – In Verehrung für Heinrich von Kleist

Egidius R. hieß Rosenblatt mit Zunamen. Ein unzutreffender Name, denn einzig seine Stacheligkeit galt den Zeitgenossen, wie jeder eigentümliche Charakter, für maßgeblich. Und es ist wahr: Er war nicht nur starrsinnig sondern noch unbelehrbar dazu, dergestalt, daß er häufig seinen Gedanken nachhing und seinen alten Strohhut niemals absetzte, auch nicht, wenn er schlief. Er schlief während der Arbeitszeit, doch das Weiterlesen …

Zu Wasser und in der Luft…

Ich gerate seit geraumer Zeit immer wieder an Bundeswehroffiziere – sehr seltsam – von der Luftwaffe. In meinem Haus wohnte bis vor kurzem ein zuvorkommender Presseoffizier. Er zog mit Frau ein. Jetzt wohnt sie allein in der großen teuren Dachgeschosswohnung. Sie haben sich getrennt, behauptet der Haustratsch. Wenn der Russe kommt, wird er das Dachgeschoss höchstens aus Versehen bombardieren. Es Weiterlesen …

…über Rheinsberger Tor

Der Himmel über dem Ruppiner Land hing so tief wie über der französischen Atlantikküste. Jeden Augenblick musste es anfangen, zu regnen. Auf dem Bahnhof streunten ein paar Raucher rasch zu dem Unterstand, der die Glut ihrer Zigaretten schützen würde. Die Nichtraucher wünschten sie stumm zum Teufel. Wenn man eine Reise antritt, sei sie auch noch so gering, gibt es immer Weiterlesen …

Der Alte, der vom Apfelbaum fiel

Man wird vielleicht nicht geneigt sein die Klasse der Irrtümer, für die ich hier die Aufklärung gebe, für sehr zahlreich oder besonders bedeutungsvoll zu halten. Ich gebe aber zu bedenken, ob man nicht Grund hat, die gleichen Gesichtspunkte auch auf die Beurteilung der ungleich wichtigeren Urteilsirrtümer der Menschen im Leben und in der Wissenschaft auszudehnen. Sigmund Freund, Zur Psychopathologie des Weiterlesen …

Weihnachtliches Sittengemälde

Was soll ich tun, stöhnte das Kotelett: Man muss einfach immer  schwitzen in diesem alten Pommesfett bei diesen Geizkrägen, die sich aus lauter Geiz nicht die Fingernägel schneiden. Sind  sie ma lieber still, raunte das halbgare Kalbsschnitzel, das neben ihm lag. Sonst erzähle ich dem Herrn Oberverwaltungsdirektor gleich ma ’n Schwank aus ihrer Jugend, sie olle Sau. Na, und sie Weiterlesen …

Meine Musiklehrerin

Es riecht wie Klavierlack und polierter alter Duysen. „Es geht hurtig durch Fleiß. Geh Du Alter Esel hole Fische. Frische Brötchen essen Asse des Gesangsvereins“, sagte Irmgard Köhler meine Klavierlehrerin, eine bömische Gastwirtstochter, die mit mir J.S.Bach anstatt Peter Alexander machte, wie es mein Vater wollte, und ihn dann mit Mozarts ‚Rondo Alla Turca‘ rumbekommen hat, dass ich weiter Klassik Weiterlesen …

Die Legende vom Unglauben – Folge IX

Die beste aller möglichen Welten Die Meditationsoase im 87. Stockwerk bestand im Wesentlichen aus einer viereinghalb Meter starken Bodenbedeckung mit konstant temperiertem Polyethylenschleim, der die Körper bei 39 Grad Celsius in sich aufnahm, wie der Utherus ein sich einnistendes Ei. Der Doktor war einen Augenblick lang begeistert, bis ihm einfiel, dass seine Organreparaturbakterien die Temperatur übel nehmen könnten. Für diesen Weiterlesen …

Die Legende vom Unglauben – Folge VIII

Kohlfelder soweit das Auge reicht Im Winter, wenn der Ackerbau ruht, werden die Wanderarbeiter weggeschickt. Nur wenigen dürfen bleiben, die sich um das Vieh kümmern und um den Haushalt der ultrareichen Städter, die wegen der zusammengebrochenen Nahrungsmittelindustrie immer häufiger gestandene Bauern aus ihren Habitaten vertreiben und die Gewächshäuser danach von ausgemergelten Gestalten bewirtschaften lassen, die von ihrem Grund schon vor Weiterlesen …

Die Legende vom Unglauben – Folge VII

Living on earth Die Glocken, die den Doktor beschützten, bestanden im Wesentlichen aus einem Silizium-Aluminium-Titan-Polymer, und es waren Intuition, Phantasie und ein glücklicher Zufall nötig, damit aus seinem Eremitenhaushalt ein überlebenstüchtiges Habitat werden konnte. Die bekannte Zivilisation außerhalb der Städte hatte sich vor Jahrhunderten aufgelöst. Das Land war nicht mehr bestellt worden, weil durch die Auskreuzung patentierter Energiepflanzen genetisch nicht Weiterlesen …

Die Legende vom Unglauben – Folge VI

Sämtliche noch verbliebenen nahrungsautarken Habitate mittlerer Größe, von den viel mächtigeren einst als Gemüsekolonien geschmäht, wurden innerhalb von 40 Jahren geplündert oder von Gletschermassen zerstört. Reelle Chancen diesem Wahnsinn zu entkommen hatten nur die in den großen süd- und zentraleuropäischen Wüsten gelegenen, schwer erreichbaren Kleinsthabitate, die vergessen worden waren, weil sie, einer schwer nachvollziehbaren inneren Regung folgend, im Laufe von 150 Jahren jeglichen Datenverkehr zu Großhabitaten eingestellt hatten. Weiterlesen …

Die Legende vom Unglauben – Folge V

Die Erinnerung an eine Landschaft Karl der Graue betrat nach so langer Zeit wieder Terrain, dem er entflohen war. Er suchte nach Zeichen seiner Vergangenheit und fand sie. Eine Schaukel baumelte im Hof des Elternhauses von dem mächtigen Ast einer Platane. Ein alter Pflaumenbaum, hinter dem Hühnerstall trug schon kaum gebläute kleine Früchte. Sein Großonkel mochte ihn gepflanzt haben, denn Weiterlesen …

Die Legende vom Unglauben – Folge IV

Renate erzählt – Das Ryukyu-Kaninchen <<Karl war a zierlicher Junge.>> Auf dem Land, wo es nach dem Weltkrieg weniger Hunger gab als in der Stadt, hielt man den 12jähigen daher für unterernährt, erzählte mir Renate, meine Patientin mit dem Leberfleck unter dem linken Auge, während sie den Korb mit den Eiern auf meinem Schreibtisch abstellte. <<Se wissen doch Karl, der Weiterlesen …

Die Legende vom Unglauben – Folge III

Das Paradies unter der Polymerglocke – urgent request Werter Herr, ich schreibe Ihnen heute wieder in der Hoffnung, dass Sie es ermöglichen können, mir das bewusste Ersatzteil für meinen Terraformingreaktor zu beschaffen. Ich weiß, dass nur Sie dazu imstande sein werden, denn Sie interessieren sich ja, wie ich unserer bisherigen Korrespondenz entnehme, von jeher für die altertümliche Technik, mit der Weiterlesen …

Die Legende vom Unglauben – Folge II

Religion, die nicht weiter auffällig wirkt, war bei uns ein Segen für den Mann, der zweifelt. Die kluge Elisabeth hatte es so eingerichtet, dass nicht einmal ihr eigener Sohn dem letzten Willen ihres Ehemannes im Wege stehen konnte. Dermaßen im Diesseits abgesichert, reichte das Seelenheil ihres verstorbenen Gatten, eines zum Glauben konvertierten Antitheisten, über ihre eigene Seligkeit hinaus ins Leben. Weiterlesen …

Der Glaube an die Machbarkeit der Moral aus Kinderbüchern

Der Sozialschmarotzer Frederick ist Mäuserich. Und während das übrige Mäusevolk Tag und Nacht Vorräte für den Winter sammelt, macht er sich rar mit der Ausrede er sammle doch auch, Sonnenstrahlen, Farben und Wörter nämlich. Der Winter kommt, die Vorräte sind alle, die Mäuse verzweifelt. Fredrick räuspert sich verlegen, steigt auf einen Stein und erzählt den Mäuschen von den Farben und Weiterlesen …

Graumanns dringlichstes Vorhaben zur Zeit

Für Jürgen Rico, einen hübschen dürren jungen Mann, der seine Lehre als Bauschlosser gerade beendet hatte, lernte Graumann 1984 in einer Münchner Disco kennen. 1992, als er schon wieder in Berlin lebte und nach München fuhr, um einigen alten Freunden seine Aufwartung zu machen, begegnete Rico ihm in einem Café an der Freiheit. Er war stattlich geworden, kam auf Graumann Weiterlesen …

Die Ovationsbeihilfe – Folge IV

Eine Kriminalkurzgeschichte in vier Folgen Folge IV und Schluss – La forza del destino “Du bist in einem Hotelzimmer, ma chérie, war die Nacht schön?” – “Heiß war sie, sehr heiß und unklimatisiert. Du kannst dir ruhig ein bisschen was ausmalen, ich bin viel zu monogam. Leider nicht wegen dir, sondern weil ich zu so gar nichts mehr komme, Genosse Weiterlesen …

Die Ovationsbeihilfe – Folge III

Eine Kriminalkurzgeschichte in vier Folgen Folge III – Risotto Bitter Mandel Am dritten Tag nach dem spektakulären Selbstmord des Wachmannes auf dem Dachboden des Jobcenters, war das Wetter plötzlich umgeschlagen. Bei 24 Grad im Schatten füllten sich die Charlottenburger und die Wilmersdorfer Straßencafés. In den Biergärten wurden die Wolldecken weggeräumt und Vorkehrungen getroffen, statt der Heizpilze die Großbildschirme so zu Weiterlesen …

Die Ovationsbeihilfe – Folge II

Die Untersuchung der Projektile von der Jobcenter-Schießerei ergab keine Übereinstimmung mit irgend einer bekannten Waffe aus der Kartei. Die Spurensuche sammelte fleißig, doch nichts davon war irgendwie zuzuordenen. Manchmal macht sich die Sammelwut viel später bezahlt, aber in diesem Fall schien es wirklich aussichtslos. Publikumsverkehr gab es im 12. Stockwerk des Jobcenters im Gegensatz zu den Etagen darunte kaum. Manchmal verirrte sich hierher wohl eine Fahrradkurierin oder ein Journalist, der eingeladen war, eine weitere Erfolgsmeldung zu der Story „Fördern und Fordern“ in Empfang zu nehmen. Der Nonkonformist Berhard Herrka, der freiwillig im Jobcenter übernachtet hatte, um dem mysteriösen Mord an seinem zweifelhaften Bekannten Werner nachzugehen, ist nach kurzer Zeit wieder auf freiem Fuß. Er ärgert sich, dass er letzlich nur durch sein eigenes Zutun überhaupt in die Fänge der Justiz geraten ist. Weiterlesen …

Die Ovationsbeihilfe I

Eine Kriminalkurzgeschichte in vier Folgen Folge I – Vier Stricke und ein fassadenkletternder Bulle Bernhard Herrka entsprach keiner gesellschaftlichen Norm. Er war aus dem vorigen Jahrhundert und bemühte sich, in diesem, so gut es ging, zu überleben. An einem ungewöhnlich kalten Junimorgen läutete das alte schwarze Bakelittelefon. Herrka war gerade dabei, die Reste seines Haupthaars zu shampoonieren. In seiner Jugend Weiterlesen …

Westberlin

Achtung: Diese Geschichte ist möglicherweise zu sentimental für Ihren Geschmack! Mein Freund Abrahamowsky ist, soweit ich das beurteilen kann, ein echtes Genie. Wahrscheinlich ist er sogar noch etwas genialer. Denn im Gegensatz zu Wittgenstein, baut er seine Sätze so klug, daß sich niemand genötigt fühlt sie mitzuschreiben. Und ganz anders, als der wirklich geniale John Gould, macht er sich keine Weiterlesen …

Der Kaiser sagt dem InfoRadio die Zeit an…

…aber bitte vorproduziert, mailt der Kollege, nachdem er eigentlich schon gute Nacht gewünscht hatte. Es ist Weltmeisterschaft, und sie ist weit weg.  Public Viewing ist out, außer in der Anstalt, da ist ständig Public Viewing – über alle Kanäle, von allem alles, und ein bisschen gar nichts – über niemand. Also bitteschön: Wie immer kommen die besten Ideen? Wenn es Weiterlesen …

WG-Klosettspülkasten um 1900 (1984)

In seinem Innern beim Versuch einer Reperatur Endeckte ich den defekten Absperrziylinder. Da ich annahm, die Dichtung sei ersetzbar, Entferne ich das schmutzige grüne Ding, Begann sein Messingblech zu schruppen – Eine Meereslandschaft war hinein graviert. Grundelnde Fische und Krebsgetier unter grüner Patina. Unbeschreiblich war mein Glück vor diesem Handwerk. Fast hundert Jahre lang Klempnern vorbehalten, Dieses Wunder, die es Weiterlesen …

Broiler Gourmand International (BGI Limited) rät: Kaufen!

Nebelheim an der Rhume, den 20. Mai 2010 Der bekannte Kunstledergeldbörsenguru, Managercroach, Artmitzahn, CEO von Broiler-Gourmand Inetrnational (BGI) und designierte Kandidat der ULIDM (Bedeutung wechelt derzeit stündlich) für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Europa (VSE) István Wasserwüst rät: Zögern Sie nicht! Hoxchern Sie jetzt! Sofort! Aber Dalli! Ich verspreche Ihnen alles! Steingut steigt. Gold fällt! Vergessen sie nicht, wir Weiterlesen …