„Con ossequio, con rispetto“

Nicht Don Quijote redet in dieser ‚Kofferarie‘ KV 210 für Niccolò Piccinnis Oper „L’astratto ovvero Il giocatore fortunato. Capitano Faccenda ist Till Eulenspiegel! (Verwechselung ausgeschlossen mit Mario Faccenda, 1960 in Ischia geboren)

Es heißt ja, Hunde die bellen, beißen nicht. Und was, wenn doch? Die Ehrenrettung des Untertans ist unter Umständen ein Witz. Wenn der Untertan welchen hat, glauben wir gemeinhin, sein Herz sei noch nicht ganz verdorrt, sein Verstand noch bereit, die zeitgemäße, die gültige Auslegung seiner Figur im Drama dieser Gesellschaftsordnung mit einiger Fassung aufzuführen. Er soll aber bitte stumm bleiben. Wo nicht, soll er wenigstens leise reden, verklausuliert.

Was tut er aber? Er wird laut, ja auffallend polternd, was vielleicht der Bezwingung der Angst dient, vielleicht aber auch schon die Vorstufe zu einem Mordskrawall ist, der sich nicht mehr, wie üblich, unter den Teppich kehren lässt, ohne das Herrschaftsterrain verloren geht.

Denn wenn der Untertan richtig laut würde, also sehr leise oder richtig laut, und spräche mit anderen Untertanen davon, etwa, wie er seinen Drangsalierern gerne mit schweren Hämmern den Schädel einschlagen möchte, während er doch gleichzeitig bange ihre Abwesenheit sich noch gar nicht vorstellen kann –  er hätte mit existenzbedrohenden Konsequenzen zu rechnen! Das ist sicher. Fragt sich, was hat er zu verlieren. (Siehe auch Brecht/Eisler: „Resolution der Kommunarden“)

Ein solches  Wagnis einzugehen, war noch keinem Untertan wirklich zuträglich, wenn er nicht wenigstens voraus schauend seinen Blick einem anderen Horizont zuwenden konnte. (Daher bleibt es bei den neudeutsch „Comedian“ benamsten Unterhaltungskünstlern oft bei jenem Typ des Witzes, über den auch die Herrschaft ehrlich zu lachen geruht. Nämlich allererst, wie sie erkannt haben wollen, über die revolutionäre Präpotenz ihrer Untertanen.)

Die Frage der Androhung und Ausübung von Gewalt hat sich dahingehend erübrigt. Die Machtfrage braucht nicht gestellt zu werden, sie scheint schon entschieden. Ist sie aber nicht. Eine Revolution findet nicht statt. Oder vielleicht doch. Wolfgang Amadeus Mozart behandelt das Thema nochmal gründlich, die Eulenspiegel werden mehr, viel mehr, viel mehr. Und dann geht es ganz fix.